Skischuh

Der Strolz-Skischuh seit 1921

Die Geschichte einer Legende.

Erfindung der modernen Skischuhe beginnt vor fast 100 Jahren in Lech, also bereits kurz nach der Erfindung des Skilaufs – ebenfalls hier am Arlberg. Im Jahr 1921 eröffnet Ambros Strolz eine Schuhmacherwerkstatt und fertigt Skischuhe aus Leder für die damals noch nicht so zahlreichen Skifahrer. Freilich konnte er damals noch nicht ahnen, bis zu welchen Ausmaßen das Unternehmen wachsen und noch Generationen später denselben Anspruch halten würde, den er sich auf die Fahnen geschrieben hatte: Skischuhe auf höchstem handwerklichen Niveau und aus bestem Material für seine Kunden individuell und in Handarbeit anzufertigen.
 

Vom Rennläufer zum Unternehmer.

Ambros’ Sohn Martin trat zwar als Orthopädie-Schuhmachermeister in die Fußstapfen seines Vaters, allerdings nicht ohne sich vorher den Boden für seinen späteren Markt selbst aufzubereiten. Er war ein äußerst erfolgreiches Mitglied des österreichischen Nationalteams und damit sein eigener Testpilot, Produktentwickler, Skistar und Promoter. Neben vielen anderen Spitzenläufern stattete er auch seine Freunde Otmar Schneider und Egon Zimmermann aus, die beide in Strolz Schuhen Olympiasieger wurden. Bei den Skiweltmeisterschaften 1954 im schwedischen Åre wurde Martin Strolz Vizeweltmeister im Abfahrtslauf – in eigenen Skischuhen, versteht sich. Die internationale Ski-Elite, allen voran das österreichische Nationalteam, waren fortan und nach Beendigung der eigenen aktiven Rennlauf-Karriere Kunden von Martin Strolz. Über 25 Jahre war Strolz Ausstatter vieler internationaler Skiteams. Martin Strolz brachte alles mit, was ihn für die Entwicklung und Herstellung von Skischuhen auf höchstem Niveau prädestinierte: eigene Rennerfahrung an der Weltspitze, handwerkliches Geschick, orthopädische Fachkenntnisse und den unbedingten Willen zur Perfektion. So war es nur natürlich, dass Martin Strolz den väterlichen Betrieb übernahm und auszubauen begann. Die Strolz Skischuhe waren aber nicht nur für den Rennlauf bestimmt: Skifahrer aus aller Welt schätzten die in aus bestem Leder gefertigten Skischuhe, die in der eigenen Werkstatt in Lech handgefertigt wurden.
 

Die Kunst, das Material zu wechseln.

Über einen Zeitraum von 15 Jahren blühte das Unternehmen auf und sah sich gegen Ende der 1960er Jahre vor einer großen Herausforderung stehen: die ersten Kunststoff-Skischuhe wurden eingeführt und damit war das Ende der Ära der Lederschuhe gekommen. Martin Strolz erkannte Chancen und Risken dieser neuen Technologie, denn Strolz hatte zwar immense Erfahrung mit der handwerklichen Tradition des Lederverarbeitens, Formenbau und Spritzguss für Kunststoffe waren jedoch etwas völlig anderes. Sowohl Technologie als auch Material waren für die Produktion großer Mengen ausgelegt, und das widersprach der Philosophie des Hauses Strolz mit höchstmöglicher Individualität bzw. Einzelanfertigung. Doch Martin sah die Vorteile der neuen Technologie und wusste sie für sich zu adaptieren. Von vorher fünf namhaften Herstellern von Lederschuhen im deutschsprachigen Raum schaffte nur Strolz die Umstellung auf Kunststoffschuhe. 1969 lancierte Strolz den ersten eigenen Kunststoffschuh – das Modell „Competition“ kam auf den Markt. Wurde zunächst noch mit plastifiziertem Leder experimentiert und Patente mit einem Massenhersteller ausgetauscht, um sich rascher Knowhow aufbauen zu können, besann sich Martin rasch auf seine Tugenden und nahm die Produktion der Kunststoffschalen wieder in eigene Hände.

 

Mehrere Ausbildungen, eine Berufung.

Der Sohn von Martin Strolz, Hannes, führt nun seit 1990 das Unternehmen. Zunächst absolvierte Hannes eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher, um dann Grafik Design in München zu studieren. Denn auch das Design der Skischuhe sollte eine Kernkompetenz innerhalb der Familie Strolz bleiben. Als Martin Strolz sich aus dem Geschäft zurückzog, übernahm Hannes den Familienbetrieb in dritter Generation. Seine Kenntnisse der Orthopädie und des Designs waren und sind sein Erfolgsgeheimnis.

Lech

Die Geschichte von Lech

700 Jahre Völkerwanderung

Die so genannte inneralpine Völkerwanderung begann so um das Jahr 1200. Die Walser, ein alemannischer Stamm, litten unter der Unterdrückung durch den Adel und ihrer Sitte, Höfe immer nur ungeteilt an den ältesten Erben zu übergeben. So war in ihrer ursprünglichen Heimat, dem Oberwallis, irgendwann nicht mehr genug Platz. Also zogen sie in alle Himmelsrichtungen los, ins Berner Oberland, in die italienischen Alpentäler, nach Westen gen Frankreich und auch nach Osten, über Liechtenstein nach Vorarlberg. Die damalige Klimaerwärmung kam ihren Wanderungen entgegen, denn das Abschmelzen der Gletscher ließ eine Besiedelung der höher gelegenen Gebiete zu und vereiste Passhöhen konnten nun überquert werden. Als Viehbauern besiedelten sie auch die Gegend am Arlberg, das Quellgebiet des Lechflusses, der dem Ort Lech seinen Namen gibt. Starke Familienbande, eine eigene Mundart und ein eigener Baustil – Blockhäuser auf gemauertem Fundament – zeichnen die Walser bis heute aus. Ihre Siedlungen waren eher Streusiedlungen als richtige Dörfer mit Ortskern, denn die Höfe hatten großen Platzbedarf. 600 Jahre lang lebten die Walser praktisch in völliger Abgeschiedenheit, dann kam ihr Pfarrer Johannes Müller aus Warth 1884 auf eine seltsame Idee: Er bestellte sich in Schweden zwei Holzlatten aus Hickory-Holz, schnallte sie sich an die Füße und rutschte damit über den Schnee. Meist versteckt in Vollmondnächten, damit ihn niemand bei seinem Treiben sah. Irgendwann wurde das Geheimnis doch bekannt und schon neun Jahre nach den nächtlichen Versuchen des Pfarrers kam der erste Skitourist nach Lech. Ein Direktionsrat Paul Martin aus München, so die Fama. Dem Herrn Direktionsrat scheint das Skifahren ziemlich gut gefallen zu haben und bald folgten ihm viele andere nach. 1906 dann fand der erste Gästeskikurs in Lech statt, der von Hannes Schneider geleitet wurde, dem legendärem Begründer des Arlberg-Stils. Dieser Stil wurde weltweit dominierend und blieb es über Jahrzehnte hinweg. Anfangs kamen vor allem Engländer und junge Amerikaner nach Lech, um das Skifahren zu lernen, heute sind es Gäste aus allen Nationen. Der Tourismus veränderte die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen – die meisten der vormals bäuerlichen Betriebe setzten fortan auf den Tourismus, Hotels und Pensionen entstanden da, wo früher Bauernhäuser standen, erstmals gab es nun auch Gewerbe- und Handelsbetriebe, um die Bevölkerung und die Gäste zu versorgen. Das Talent, aus wenig viel zu machen, handwerkliches Geschick und der sprichwörtliche familiäre Zusammenhalt, der jahrhundertelang das Überleben in der kargen Bergwelt gesichert hatte, kam den Walsern bei der schnellen Entwicklung zugute. Praktisch alle Unternehmen hier sind Familienbetriebe und das ist auch gut so, denn anders als viele Wintertourismusgebiete ist Lech ein ganzjährig bewohnter Ort. Und das macht und erhält Lech authentisch – mit ein Grund, warum Gäste sich hier so wohl fühlen. Es zählt persönlicher Service statt anonymer Bedienung in einem gewachsenen Ort mit traditioneller Architektur statt Einheitsbauten. So sind in der St. Nikolaikirche im Ortskern, die im 14. Jh. ursprünglich als gotische Kirche angelegt wurde, sogar noch die romanischen Wurzeln und Fresken aus dieser Zeit sichtbar.

Die Völkerwanderung aus der ganzen Welt in ein kleines Dorf am Arlberg: Das hätten sich die ersten Siedler aus dem Wallis nicht gedacht. Und in den letzten 100 Jahren, seit der Erfindung des Skilaufs, hat sich weit mehr verändert, als die 600 Jahre davor. Geblieben aber ist eines: die Menschen sind immer noch herzlich und gastfreundlich, die Berge sind immer noch so schön und nirgendwo auf der Welt kann man Wintersport so authentisch erleben wie hier. Denn hier wurde er erfunden.